Mittlerweile ist es nicht mehr abzustreiten, in Köln wohnen kaum noch Kölner. Ein Großteil der Bevölkerung ist von Außerhalb. Auswertungen des statistischen Bundesamtes belaufen sich auf mittlerweile 62% zugezogene Bevölkerung, wovon wiederum 40% aus Düsseldorf und Umgebung kommen. Und das spüren nicht nur die letzten Kölner, sondern auch die Kölschfabrikanten.

Köln bald ohne Kölsch

Noch im Jahr 2001 gab es über 75 verschiedene Kölschbrauereien. Die großen drei (Reissdorf/Gaffel/Früh) hatten eine Jahresproduktion von ca. 1.498.000 Hektolitern. Innerhalb der letzten 10 Jahre ist die Anzahl der Brauereien auf unter 25 und die Produktion der großen drei auf unter 1.000.000 Hektoliter im Jahr gesunken. Obwohl die Stadt seit 2006 mit einer Kölsch-Subventionierung versucht, diesem Problem entgegenzusteuern, sinkt der Kölschabsatz stetig weiter. Horst Schröpcke, Wirt einer Kneipe in der Kölner Südstadt, weiß ganz genau, was das Problem ist. „Die Düsseldorfer sind dran Schuld. Die kommen in unser schönes Köln, weil sie es bei sich nicht mehr aushalten. Machen einen auf Kölner, wollen aber ihr brackiges Alt trinken. Das ist das Problem. Die versauen uns unsere Kölsche Tradition.“

Und tatsächlich – es ist statistisch erwiesen, dass ein Großteil der Zugezogenen aus Düsseldorf stammt. Dies ist aber eigentlich keine Neuigkeit. Um genau zu sein, hat die Stadt Köln bereits Ende 2005 diesen Trend erkannt und versucht, ihm mit einer Kölsch-Subventionierung entgegenzuwirken. Jeder Liter gebrauten Kölschs wurde zu einem bestimmten Prozentsatz von der Stadt finanziell mitgetragen. So wollte man die Brauereien zu einer erhöhten Produktion antreiben und es ihnen ermöglichen, das Kölsch günstiger an die Kneipen weiterverkaufen zu können. Jedoch waren die Brauereien zu diesem Zeitpunkt bereits so gebeutelt und verunsichert, dass sie zwar die Subvention gerne genommen, aber den Preis für Kölsch noch weiter erhöht haben. Die Wirte waren also dazu gezwungen, mehr für ein Gebräu zu zahlen, das immer weniger Absatz in den Kneipen fand. Viele wollten dieses Spiel natürlich nicht mitmachen und sind auf Pils oder, dem Düsseldorfer Trend folgend, auf Alt umgestiegen. Andere wiederum, welche es als ihre Pflicht ansahen, Kölsch weiter auszuschenken, haben die Preise für die Kunden deutlich angehoben. Dies alles führte und führt zu einem drastischen Rückgang des Kölschumsatzes.

Der Trend muss gestoppt werden

Und Anfang dieses Jahres war es dann soweit, dass selbst Gaffel mehr Fassbrause als Kölsch absetzte. Für den Pressesprecher der Abteilung für gewerbliche Wirtschaft der Bezirksregierung Köln, Hr. Moritz, gibt es nur eine Lösung: „Wenn wir unsere Traditionen in Köln aufrecht erhalten wollen, dann dürfen wir so eine Entwicklung, wie sie im Moment stattfindet, nicht zulassen. Es muss eine Kölner-Quote geben, die gewährleistet, dass immer mehr „echte Kölner“ hier leben als Zugezogene. Das darf man jetzt bitte nicht falsch verstehen. Wir haben nichts gegen „Neu-Kölner“. Es ist schön, zu sehen, wie beliebt unsere wunderschöne Stadt ist und welche verschiedenen Kulturen hier harmonisch zusammenleben. Dieses trägt enorm zu der Lebensqualität in Köln bei. Das soll auch so bleiben. Jedoch appellieren wir an alle „Exil-Kölner“ zurückzukommen. Für Anfang 2013 planen wir das Finale unserer großen Rückkehraktion, die wir seit 4 Jahren vorantreiben. Dann dürften wir eine große Zahl an „echten Kölnern“ wieder zurückgewinnen. Mehr möchte ich hier aber noch nicht verraten. Außer, dass wir so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn wir erhöhen wieder die Prozentzahl der „echten Kölner“ sowie das Bewusstsein für Kölner Traditionen und können hoffentlich einen Großteil der offenen Stellen in Köln und Umgebung besetzen.“

Anmerkung der Redaktion:
Ob das der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Wir sind der Meinung, dass man den Dingen seinen Lauf lassen sollte. Und wenn Kölsch nun mal nicht mehr so beliebt ist, dann kann man niemanden zum Konsum zwingen. Und eigentlich ist es doch auch ein Triumph für die Stadt Köln, dass immer mehr Düsseldorfer immigrieren…