Denkt man an Flugreisen in der Zukunft, so stellen sich einem unwillkürlich einige Fragen. Wie könnten Flugzeuge von Morgen aussehen? Wie ist das immer höher steigende Passagieraufkommen zu bewältigen? Ist es realistisch, irgendwann einmal mehr als 1.000 Personen pro Flieger zu transportieren? Was ist mit alternativen Antriebsmethoden? Es ist kein Geheimnis, dass die Reserven an Öl und damit Kerosin begrenzt sind.

Natürlich beschäftigen sich schon heute unzählige Forscher mit diesen Fragen und den damit verbundenen Herausforderungen. Sie sind dabei, realisierungsfähige Konzepte zu entwickeln, um den Flugverkehr auch in Zukunft zu gewährleisten. Wir möchten Ihnen einen kleinen Einblick in die innovativen Ideen für die Zukunft geben.

Der „Nurflügler“

Ist es möglich, ein Flugzeug zu entwickeln, das praktisch nichts weiter als Flügel hat? Auch wenn sich dies zunächst schwierig anhört, hat diese Idee durchaus Potenzial und ist aktuell heißes Diskussionsthema bei diversen Forschern. Vorgesehen ist, nicht nur mehrere Hundert Passagiere, sondern auch Tonnen an Fracht im Inneren der Tragflächen unterzubringen. Ein Rumpf, so wie wir ihn heute kennen, ist dabei nicht mehr vorgesehen. Die dadurch kleinere Oberfläche sowie das eingesparte Gewicht könnten dem Nurflügler so wichtige aerodynamische Vorteile verschaffen. Ein weiterer Vorteil läge in dem deutlich geringeren Kerosinverbrauch. Wissenschaftler rechnen mit einem Einsparpotenzial von bis zu 30% verglichen mit heutigen Maschinen. Darüber hinaus würde sich dieser Flugzeugtyp durch eine minimale Lautstärke während des Flugs auszeichnen. Die Hauptverursacher des Fluglärms – die Triebwerke – würden nicht mehr unter den Flügeln hängen, sondern stattdessen darauf montiert werden, sodass der Schall vom Flugzeugkörper absorbiert würde. Dennoch gibt es bei diesem Projekt viele Hürden, die noch überwunden werden müssen. Das Problem der mangelhaften Stabilität beispielsweise ist längst noch nicht geklärt.

Eine Luftmatratze als Flugzeug

Was zunächst wie ein Scherz klingt, wird in Forscherkreisen schon seit längerer Zeit ernsthaft diskutiert: ein Flugzeug, dessen Flügel wie bei einer Luftmatratze aufblasbar sind. Hierzu wurde bereits ein kleiner Prototyp entwickelt, dessen Flügelspannweite immerhin 13 Meter umfasst. In Anlehnung an sein Aussehen wurde er auf den Namen „Stingray“ getauft, was aus dem Englischen kommt und übersetzt „Stachelrochen“ bedeutet. Die Vorteile dieses Modells sind nicht von der Hand zu weisen. Vergleichbare herkömmliche Maschinen weisen ein Vielfaches des Gewichts auf. Zudem lässt sich das Profil der Tragflächen variieren, was die Steuerung des Flugzeugs dank einer damit verbundenen Technikerneuerung um Einiges leichter macht. Testflüge verliefen bislang positiv. Dennoch steht es in den Sternen, ob diese Idee eines Tages wirklich realisiert werden kann.

Das Solarflugzeug

Wir alle wissen, dass die natürlichen Ressourcen unseres Planeten begrenzt sind. Über kurz oder lang werden Flugzeuge daher zwangsläufig auf alternative Antriebsenergien umsteigen müssen. Forscher kamen so auf die Idee, ein schon auf der Erde erprobtes Antriebsmittel zu nutzen: die Solarenergie. Was sich am Boden bereits bewährt hat, sollte sich doch auch für die Luftfahrt nutzen lassen, so ihr Gedanke.

Selbstverständlich müssen sich die Wissenschaftler auch hier mit einer Vielzahl an Fragen auseinandersetzen. Wie würde so ein Flugzeug überhaupt aussehen? Wie viele Solarzellen würde es für einen sicheren Flugbetrieb benötigen? Was passiert, wenn die Nacht anbricht? Lässt sich die Energie irgendwie speichern? Einigen Forschern ist es schließlich gelungen, eine Lösung zu finden und ein Flugzeug zu konstruieren, das ausschließlich mit Sonnenenergie fliegt. Dominierendes Merkmal dabei sind die dünnen und sehr langen Flügel, die mit unzähligen Solarzellen gespickt sind. Versehen sind sie zudem mit Hochleistungsbatterien, die am Tag die Energie speichern, um sie nachts wieder abzurufen. Die ersten Testflüge verliefen überaus erfolgreich, was Hoffnung für die Zukunft macht. Den Forschern schwebt Großes vor: Schon bald soll ihr Flugzeug entlang des Äquators einmal um die Welt fliegen. Dies wäre ein großer Schritt in Richtung Solarflugzeuge für die Zukunft.

Der FanWing

Dies ist jedoch längst nicht alles. Eine Reihe von Wissenschaftlern tüftelt schon längst an weiteren Konzepten. Hierzu gehört auch der sogenannte FanWing, der sich irgendwo zwischen Flugzeug und Hubschrauber einordnet. Antriebsmittel sind riesige Ventilatoren, mit deren Hilfe große Massen an Luft unter die Tragflächen gelangen. Die Vorteile hierbei sind schnell genannt: Das Modell ist sehr sparsam, leise und nimmt bereits mit einer extrem kurzen Startbahn vorlieb.

Der Clip-Air

Hinter dieser Idee steckt ein Verkehrsmittel, das wir dank seiner Bequemlichkeit sehr häufig nutzen: der Zug. Zwar lässt sich eine Strecke mit dem Flugzeug natürlich deutlich schneller zurücklegen, jedoch verbringt der Reisende dabei unzählige Stunden mit Warten, zum Beispiel beim Boarding. Ein Schweizer Forschungsteam hat es sich nun zum Ziel gesetzt, den Komfort des Bahnfahrens mit der Geschwindigkeit des Fliegens zukünftig zu verbinden. Entwickelt haben sie dazu so etwas wie eine Luft-Lok, an die wie beim Zug verschiedene Passagier- oder Frachtwagen angekoppelt werden können. In der Lok werden der Motor, der Treibstoff, das Cockpit und das Fahrgestell untergebracht. Ihrer Theorie nach sollen die Flugwaggons dann überall bestiegen werden können – auch in einer Art Bahnhof.

Die Pläne von Airbus und Boeing

Aber nicht nur Wissenschaftler arbeiten an Flugzeugmodellen für die Zukunft. Auch die Ingenieure des Flugzeugbauers Airbus beschäftigen sich mit dem Flugverkehr von Morgen und haben ihrerseits Visionen zu Papier gebracht, um die Effizienz des Personentransports zu maximieren. Das Gesamtprojekt trägt den Namen „Klügere Himmel“ und malt ein Bild des Flugverkehrs im Jahr 2050. Es basiert auf der Annahme, dass die Flugzeuge mit der Zeit immer „intelligenter“ werden und zum Beispiel während des Flugs ohne Zutun die effizienteste Route – auch hinsichtlich des Wetters – wählen. Darüber hinaus schauen sich die Ingenieure auch Einiges aus der Tierwelt ab. Denkbar wären etwa Formationsflüge in Anlehnung an einen Vogelschwarm, um so eine große Menge an Kerosin zu sparen. Die Flugzeuge würden dabei auf Hochfrequenzrouten unterwegs sein und so den Luftwiderstand deutlich verringern.

Konkurrent Boeing dagegen arbeitet mit der NASA zusammen. Gemeinsam haben sie einen Prototyp entwickelt, welcher mit einem völlig neuen Design daherkommt. Herausstechend sind die dreieckige Form und die extrem flache Bauweise. Hintergrund war die geplante Leistungsmaximierung hinsichtlich Kraftstoffverbrauch und Geschwindigkeit. Die NASA veranstaltet zur Zeit Testflüge mit einer kleineren Version des Flugzeugs und hofft auf eine Realisierung des Projekts innerhalb der nächsten zwanzig Jahre.

Bildquelle:
BigStock by 1971yes, Stock Foto 50985044