Von einer Sturmflut wird dann gesprochen, wenn die Flut am höchsten Punkt 1,50 Meter höher ist als durchschnittlich. Im solch einem Fall wird der Wasserstand durch die Kraft des Windes erhöht und das Wasser steigt höher als normalerweise. Sturmfluten treten an der deutschen Nordseeküste besonders im Frühling und im Herbst auf. 

Die frühesten Aufzeichnungen über Sturmfluten an der Nordsee, in diesem Fall an der niederländischen Küste, stammen aus dem ersten Jahrhundert nach Christi. Zahlreiche Sturmfluten trafen seitdem auf die Nordseeküste, versetzten die Bewohner in Angst und Schrecken und kosteten zahlreiche Menschen das Leben.

Die Bewohner der Nordseeküste schützen sich durch Befestigungen und Deichbau vor Schäden und Verlusten durch Sturmfluten, doch immer wieder brechen die Naturgewalten durch die Deiche und Anlagen und überfluten das Küstengebiet.

Ein furchtbares Beispiel für die Folgen einer Sturmflut ist die Weihnachtsflut von 1717. Am Heiligabend traf die schwerste bis dahin bekannte Sturmflut auf die Nordseeküste und verursachte Inselbrüche auf Juist, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog und hinterließ 12.000 Opfer. Die Pegelstände betrugen fast 5 Meter über Normalnull in Dangast am Jadebusen und über 5 Meter über Normalnull in Hamburg.

Eine weitere verheerende Sturmflut traf 1962 auf Harmburg und verursachte 61 Deichbrüche. 340 Menschen verloren damals ihr Leben und 1.300 Häuser wurden zerstört. Auch auf den ostfriesischen Inseln herrschte damals Angst und Schrecken.
Die ostfriesischen Inseln bilden eine natürliche Barriere und bieten so einen gewissen Schutz für das Festland, sind aber somit auch selber sehr anfällig für Schäden, die von Sturmfluten angerichtet werden. Der Küstenschutz ist daher ein wichtiges Thema auf den ostfriesischen Inseln und soll vermeiden, dass Siedlungsräume bei Sturmfluten gefährdet werden und die Inseln an Landmasse verlieren.
Die Inseln verfügen über Randdünenketten an der Nordseite, die zum großen Teil nicht betreten werden dürfen und die einen natürlichen Schutz vor den Wassermassen einer Sturmflut bieten.

Die Geschichte der Inseln macht deutlich, wie wichtig der Schutz vor den Naturgewalten einer Sturmflut ist. Im Jahre 1825 wurde beispielsweise die kleine Insel Baltrum bei einer äußerst verheerenden Sturmflut in mehrere Teile zerrissen und beinahe unbewohnbar gemacht.

Zum Schutz der Menschenleben und der Landschaft ist es wichtig, dass auch Touristen die Schutzzonen respektieren und die Dünengebiete, zu denen der Zugang nicht erlaubt ist, nicht betreten.