Wattenmeere findet man in weiten Teilen der Erde, sofern gemäßigtes Klima vorherrscht.
Das deutsche Wattenmeer teilt sich in drei Bereiche auf, die alle für sich jeweils einen Nationalpark bilden: Das Schleswig-holsteinische, das Hamburgische und das Niedersächsische Wattenmeer.

Man spricht von einem Wattenmeer, wenn es im Küstengebiet eines Meeres eine Landschaft gibt, die unter dem starken Einfluss der Gezeiten steht, die also regelmäßig bei Flut unter Wasser steht und dann bei Ebbe wieder trocken fällt.
Als Watt bezeichnet man den Teil des Wattenmeeres, der bei Ebbe trocken liegt. Das Wort kommt aus dem altfriesischen und bedeutet „seicht“ oder „untief“. Im Schlamm des Watts leben unzählige Tiere, hier verbergen sich Muscheln und Schnecken ebenso wie die für die Nordsee typischen Wattwürmer.
Das Watt ist durchzogen von Wasserläufen, die man Priel nennt. Hier finden sich vor allem Nordseegarnelen, aber auch Fische. Die Priele können unterschiedliche Tiefen haben.

Die deutschen Wattenmeere bergen eine einzigartige Tierwelt, vor allem weil es sich um das vogelreichste Gebiet Europas handelt. Die Nationalparks haben sich dem Schutz dieser Landschaften verschrieben, um zu verhindern, dass die äußerst sensiblen Ökosysteme durch Eingriffe des Menschen zerstört werden.
Bei dem Wattenmeer der Nordsee handelt es sich um das größte zusammenhängende Wattenmeer der Welt. Zweimal am Tag wird es vom Hochwasser überflutet und fällt dann wieder trocken. Es dient zahlreichen Fischen und Vögeln, vor allem Zugvögeln, als Rastplatz und Nahrungsquelle, bietet Muscheln und Krebstieren Lebensraum und beherbergt auch Seehunde und Robben, die auf Sandbänken leben.
Auch die Dünen, Salzwiesen und Strände zählen zum Lebensraum Wattenmeer und tragen mit zahlreichen Gräsern, Pflanzen, Vögeln und Insekten zur erstaunlichen Artenvielfalt dieses Lebensraumes bei. Insgesamt leben rund 10.000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten im Wattenmeer und zehn bis zwölf Millionen Zugvögel besuchen es jedes Jahr – hier wird gebrütet, gesäugt, geboren, gewachsen, gerastet, gefressen und gemausert. Diese Einzigartigkeit der Flora und Fauna hat 2009 dazu geführt, dass das Wattenmeer ins UNESCO Weltnaturerbe aufgenommen wurde.

Das Wattenmeer wird seit vielen Jahren von zahlreichen Urlaubern besucht. Man erlebt hier eine einzigartige Natur und findet Ruhe und Weite. Doch der Mensch stellt die größte Bedrohung für diesen Lebensraum dar. Die zunehmende Umweltverschmutzung setzt dem sensiblen Ökosystem massiv zu; Boden und Wasser werden von Müll verunreinigt, der in die Nordsee geleitet wird, und die Nahrungsgrundlage für die unzähligen Tiere ist bedroht.
Auch der Klimawandel stellt eine schwere Bedrohung für das Wattenmeer dar. Der Meerespiegel steigt und die zunehmende Erwärmung verändert das Vorkommen von Algen und Mikroorganismen und hat damit einen starken Einfluss auf die Nahrungskette im Wattenmeer.
Auch der Küstenschutz verändert und bedroht das Wattenmeer. So werden Deiche beispielsweise auf Salzwiesen errichtet und beeinflussen damit das Brutverhalten der zahlreichen Wattvögel.

Touristen ist es möglich, im Watt zu wandern und die einzigartige Landschaft zu genießen, doch große Teile der drei Nationalparks bestehen zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt aus Ruhezonen, damit diese artenreiche und fantastische Landschaft geschützt bleibt und nicht noch mehr unter dem Einfluss des Menschen leidet.

 

Foto: Ra Boe