Melbourne, die nach Sydney größte Stadt Australiens, ist zwischen 2002 und 2014 sieben Mal von der renommierten Londoner Wochenzeitschrift „The Economist“ zur weltweit lebenswertesten Stadt gewählt worden. Beim alljährlichen „The Economist“-Ranking werden etwa 150 Metropolen nach Lebensqualität bestimmenden Faktoren wie Klima, Freizeitmöglichkeiten, Infrastruktur, Bildung, Kultur und Soziales eingestuft. Melbournes hervorragendes Abschneiden entspricht auch dem gelassenen Lebensgefühl der überwiegenden Mehrheit der „Melburnians“ genannten Einwohner. Ein Lebensgefühl, das sich auch rasch auf die Touristen überträgt, die die Vier-Millionen-Einwohner-Stadt besuchen.

Großstadt am Indischen Ozean

Melbourne erstreckt sich über eine Fläche von fast 10.000 qkm (zum Vergleich: Berlin ist knapp 900 qkm groß). Die Stadt besteht aus dem rund 75 qkm großen Innenstadtbereich Inner City mit den insgesamt etwa 250.000 Einwohner zählenden zentralen Stadtteilen Melbourne City, Yarra City und Port Phillip City sowie zahlreichen weitflächig verteilten, von viel Grün durchzogenen Wohnbezirken (Suburbs). Melbourne ist die Hauptstadt des als Weinbauregion berühmten Bundesstaates Victoria, der an der Südostküste Australiens liegt und bekannt für seine ausgedehnten Sandstrände, schroffen Felsküsten und zahlreichen Nationalparks ist. Das an seinem östlichen Rand von Berglandschaften eingerahmte Melbourner Stadtgebiet zieht sich an der Port Phillip Bay entlang. Stadtfluss ist der hier in den Indischen Ozean mündende Yarra River.

Geschichtsträchtige Wirtschaftsmetropole und Schmelztiegel der Nationen

Anders als Sydney und andere australische Städte ist Melbourne nicht in Verbindung mit Strafkolonien entstanden. Das ursprünglich von zum Kulin-Stammesverband gehörenden Aborigenes besiedelte Gebiet an der Port Phillip Bay wurde 1835 von britischen Siedlern, die die Gründung einer Wohn- und Handessstadt planten, gekauft.
Von der britischen Krone, die das Privileg des Landerwerbs für sich beanspruchte, wurde der Kaufvertrag zwar für nichtig erklärt, dennoch gilt der als „Batman´s Treaty“ in die
Geschichte eingegangene Vertrag nach Ansicht vieler Historiker als einzige halbwegs faire Abmachung zwischen Aborigenes und Europäern in der Kolonialzeit. Das nach dem damaligen britischen Premierminister benannte Melbourne hatte 1840 bereits 10.000 Einwohner und entwickelte sich nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem um 1850 einsetzenden Goldgräber-Boom rasch zum Anziehungspunkt von Einwanderern. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Einwohnerzahl von weniger als zwei auf vier Millionen. Die meisten Melburnians haben griechische, britische, irische, italienische, kroatische, chinesische oder vietnamesische Wurzeln. Das bis 1927 als Australiens Regierungssitz fungierende und 1956 als Austragungsort der Olympischen Spiele für Schlagzeilen sorgende Melbourne ist ein Industrie- und Dienstleistungsstandort mit internationalem Niveau. Die 1885 ihren Betrieb aufgenommene Melbourner Straßenbahn ist mit fast 250 Streckenkilometern die größte Straßenbahn der Welt. Die den Stadtkern befahrende Circle Tram kann sogar kostenlos benutzt werden.

Kulturhochburg der Extraklasse

Die Stadt am Indik ist übersät mit Graffiti-Bildern. Und die meisten Melburnians sind stolz auf das häufig hohe handwerkliche und kreative Niveau ihrer Sprüh-Künstler. Am Federation Square findet sich mit dem gegenüber dem Bahnhof liegenden „Lab“ ein architektonisch und konzeptionell eigenwilliges Epizentrum der Melbourner Kultur. Daneben bietet Melbourne Kulturinteressierten hervorragende Museen. Der nachts beleuchtete hoch aufragende Komplex des „The Arts Centre“ gehört zu Melbournes Wahrzeichen und verbindet Gattungen darstellender Kunst wie Konzept- und Tanzkunst mit Ausstellungen zeitgenössischer bildender Kunst. Die in zwei Häusern in St. Kilda und am Federation Square untergebrachte „National Gallery of Victoria“ beherbergt unter anderem die größte Sammlung australischer Kunst. Ein Muss ist auch ein Abstecher zum „Koorie Heritage Trust“ in der King Street. Hier kann der Besucher in die Welt der Ureinwohner eintauchen. Unbedingt sehenswert ist auch das „Melbourne Museum“ in der Nicholson Street. Hier in Australiens größtem Museum kann der Geschichte des Kontinents nachgespürt werden. 

Top-Revier für kulinarische Entdeckungen, Eldorado für Nachtschwärmer

Melbourne nimmt für sich in Anspruch, weltweit die Großstadt mit der größten Dichte an Restaurants, Cafés, Kleinbrauereien und Kneipen zu sein. Die Stadt zählt annähernd 20.000 Gastro-Betriebe. Zum nächtlichen Feiern laden in der von Einwanderern und etwa 200.000 Studenten aus vielen Nationen geprägten Stadt unzählige Clubs und Pubs ein. In St. Kilda mit seinen vielen kleinen Gassen schlägt das Herz der innovativen australischen Club-Szene.
Die trendige Metropole kann mit zahlreichen kulinarischen Superlativen punkten: In der Kaffeehochburg Melbourne soll es den besten Kaffee der Welt und die beste Pizza außerhalb von Italien geben. In dem aus dem 19. Jahrhundert stammenden Hallenmarkt „Queen Victoria Market“ fährt Melbourne auf, was es an kulinarischen Grundzutaten zu bieten hat.

Touristische Highlights, Tipps für einen gelungenen Aufenthalt

Im parkreichen und sportverliebten Melbourne gehen die zumeist ausgesprochen tiefenentspannt ihren Alltag verbringenden Einheimischen nach der Arbeit gern im Szeneviertel St. Kilda erst an den Strand und dann an die Bar. Melbourne ist aber auch ein Shopping-Paradies. So kann in der Chapel Street auf vier Kilometer Länge in Edel-Vintage-Läden und Boutiquen gestöbert werden. Wer es modisch etwas rauer mag, der ist im Fitzroy-Viertel mit seinen Second-Hand- und Avantgarde-Geschäften an der richtigen Adresse. Den wohl spektakulärsten Ausblick auf die Stadt bietet das „Eureka Skydeck 88“: In kaum mehr als einer halben Minute befördert ein Express-Aufzug Schaulustige in den am Yarra River stehenden „Eureka Tower“ in den 88. Stock. Wagemutige können hier in 280 Meter Höhe in dem ausfahrbaren Glaswürfel „The Edge“ Melbourne von ganz oben genießen. Unbedingt zum Bummeln und Staunen empfehlen sich extrem unterschiedliche Stadtteile wie die hochmodernen Docklands oder das nostalgisch-quirlige Chinatown. Ausruhen vom Trubel kann sich der Melbourne-Besucher im ausgedehnten botanischen Garten „Royal Botanic Gardens“ in South Yarra oder am „Cooks Cottage“ im Park „Fitzroy Gardens“. Das 1775 erbaute Elternhaus von Australien-Nationalheld James Cook hatten Cook-Fans 1934 von England nach Melbourne gebracht.

 

Bildquelle:
BigStock-ID: 60469148 by Neale Cousland