Sommerzeit ist Festivalzeit. Auch im beschaulichen und eher konservativen Münster. Doch seit 2006 gehört die Domstadt einmal im Jahr für einen Tag den Metalheads, Punks und Hardcore-Anhängern, die zeigen, dass zu Münster mehr gehört als nur Regen und Glockengeläut, wie der Volksmund sagt. Der diesjährige 5. Juli bot ein Programm der Extraklasse, das weit über das Festivalgelände vor der Halle Münsterland am Hawerkamp hinaus zu hören war. 20 Top-Bands brachten an diesem einen Tag 15 Stunden lang die Masse zum Kochen.

Fixierung auf eine Musikrichtung mit kleinen Unterbrechungen

Das diesjährige Vainstream wurde ein voller Erfolg, die Karten waren ausverkauft. Dies lag nicht nur an den herausragenden Bands, die das Publikum von der ersten Minute an zum Moshen und Crowdsurfen brachten, sondern auch daran, dass sich die Veranstalter bei der Auswahl der Bands zunehmend auf eine Musikrichtung konzentrieren. Die mittlerweile recht homogene Mischung aus Hardcore- und Metalcore-Bands wurde nur einmal von Sepultura unterbrochen, die, als dienstälteste Band auf dem Vainstream leider nicht mehr mit vollständiger Besetzung, mit ihrem Trashmetal etwas an der jungen Zielgruppe vorbeispielten. Auch die Dropkick Murphys, die als Main Act auf der EMP Stage auftraten, wollten mit ihrem vergleichsweise ruhigen Punk nicht so recht ins Konzept passen.

Gelungene Auftritte im Fünfminutentakt

Dafür entschädigten die 18 weiteren Bands, die von Punkt 10 Uhr morgens an im Fünfminutentakt die insgesamt vier Bühnen des Vainstream enterten und dem Publikum keine Zeit zum Durchatmen ließen. Im Gegenteil, Bands wie die Amerikaner von Trash Talk animierten die Fans an der Club Stage zu noch wilderen Aktionen, Sänger Lee Spielman stiftet alle paar Minuten an einer anderen Ecke des Geländes neue Moshpits an. Kaum ruhiger geht es auf den beiden direkt nebeneinandergelegenen Main Stages zu. Auf der EMP Stage und der Desperados Stage konnten die Anhänger von Metalcore und Hardcore zu Publikumslieblingen wie Hatebreed, Bring me the Horizon und Heaven Shall Burn bis 22:30 feiern. Danach war jedoch noch lange nicht Schluss. Auf der kleineren, etwas abgelegenen Club Stage sorgten die Detroiter Melodic-Death-Metaler von Black Dahlia Murder für einen gelungenen, lauten und für manchen Fan angenehm bierseligen Abschluss des Abends, nachdem bei den beiden Main Stages und vor allem der Relentless Energy Stage der Vorhang schon lange gefallen war.

Familiäre Atmosphäre

In der Bundesrepublik finden jährlich mehrere Festivals statt, auf denen Fans der härteren Gangart auf ihre Kosten kommen. Das noch junge Vainstream gehörte vom Beginn an zur Spitze der Veranstaltungen und braucht Konkurrenz nicht zu scheuen. Das liegt nicht nur an den hochkarätigen Bands, welche die Veranstalter von Beginn an verpflichteten, sondern auch daran, dass es auf der Veranstaltung immer noch sehr familiär zugeht, obwohl das Vainstream mittlerweile mehr als 11.000 Besucher aus der gesamten Bundesrepublik aber auch aus entfernten Ländern wie Russland, Indonesien und Südafrika anlockt. Das Vainstream genieße daher immer noch einen „Exotenbonus“, wie der Veranstalter Tom Naber zugibt. Doch genau aus diesem Grund werden international bekannte Bands wie Of Mice an Man, Black Dahlia Murder oder Heaven Shall Burn von der Veranstaltung angezogen. Sie genießen das besondere Flair des Vainstream, das kaum ein anderes Festival in dieser Form bieten kann.

Zehn Jahre Vainstream

Im kommenden Jahr wird das Vainstream seinen zehnten Geburtstag feiern. Bislang stehen weder Termin noch Line-Up fest, der Veranstalter wird die Daten im Laufe der kommenden Monate häppchenweise bekannt geben, kündigt er auf der Social-Media-Plattform Facebook derzeit an. Eine Dekade ist eine runde Sache, so das vermutet werden kann, dass der Veranstalter etwas Besonderes vorhaben wird. Wer die Bandlisten der vergangenen Jahre noch einmal durchgeht, wird vermuten, dass die Veranstaltungen kaum mehr zu toppen sein werden. Doch der Veranstalter lässt sich sicher etwas einfallen, so dass die Karte für das Vainstream 2015 sicher eine lohnende Investition wird.

Bandliste:

EMP Stage Desperados Stage

  • Annisokay
  • Blessthefall
  • Of Mice and Man
  • Architects
  • Silverstein
  • K.I.Z.
  • Hatebreed
  • Dropkick Murphys
  • Desperados Stage
  • Bury Tomorrow
  • Stick your Guns
  • Comeback Kid
  • Emmure
  • Sepultura
  • Bring me the Horizon
  • Heaven Shall Burn

Relentless Energy Stage

  • 257ers
  • 7 Seconds
  • Smoke Blow

Club Stage

  • Bombus
  • Trash Talk
  • Kadavar
  • The Black Dahlia Murder

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