Das Reisen mit dem Flugzeug ist mittlerweile so selbstverständlich geworden wie das Bus- oder Autofahren. Dennoch fragen sich – gerade angesichts einiger Flugzeugabstürze, die in den letzten Jahren durch die Medien gingen – noch immer viele Menschen: Wie sicher ist Fliegen eigentlich wirklich – ist man wirklich gefahrlos in der Luft unterwegs?

Thema Flugsicherheit – warum Fliegen so sicher ist wie nie zuvor

Extreme Wetterlagen, Fluggesellschaften, die Kosten einsparen möchten und ein hohes Luftverkehrsaufkommen – das alles sind Aspekte, die so manchem Passagier Angst einjagen. Dennoch steht fest: Nie zuvor gab es so wenige tödliche Flugunglücke wie im Jahr 2013. So ermittelte der Fluglinienverband IATA vor Kurzem, dass ein Passagier, der jeden Tag fliegen würde, statistisch gesehen 6.500 Jahre in der Luft sein müsste, bevor irgendwann ein tödlicher Unfall geschehen würde. Die aktuelle Flugsicherheit, so die Experten, grenze an wahrer Perfektion.
Natürlich ist jeder Tote ein Mensch zu viel, allerdings lag die Zahl der Todesfälle in der Luftfahrt in den letzten drei Jahren stets unter 500. Unfälle, bei denen es mehr als 100 Tote auf einen Schlag gab, kamen im Jahr 2013 überhaupt nicht vor – und das, obwohl Hunderttausende Charter- und Linienflüge pro Tag gleichzeitig unterwegs sind.

Doch wie lässt sich dies erklären? Neben immer raffinierteren Strukturen beim Navigieren der stetig anwachsenden Luftverkehrsströme, sind es auch die hochmodernen Flugzeuge, welche das Fliegen zu einer nahezu risikofreien Angelegenheit machen. Gerade die großen Konzerne wie Airbus und Boeing sind sich dessen bewusst, dass aus Fehlern stets gelernt werden muss: So sind einzelne Probleme in der Mechanik, welche bis vor einigen Jahren noch große Katastrophen auslösen konnten, mittlerweile längst kein Thema mehr in der Flugsicherheit. Ein normaler zweistrahliger Passagierflieger kann sich beispielsweise heutzutage auch mit einem defekten Triebwerk ohne Probleme in der Luft halten und sicher landen, da die Technik so weit ausgereift ist, dass einzelne Schäden am Flugzeug keine Bedrohung mehr darstellen.

Der Mensch als Risikofaktor

Als nach wie vor größter Risikofaktor gilt vor allem der Mensch selbst – die Luftfahrt selbst ist fortschrittlich und bringt eine enorme Flugsicherheit mit sich. Auch wenn die Flugsicherheit so hoch ist wie nie zuvor, ist es leider nie ganz auszuschließen, dass Piloten eine Anweisung der Fluglotsen missverstehen oder einen Fehler bei der Bedienung der Armaturen im Cockpit machen. Vor allem auf den Großflughäfen ist die Hektik enorm: Mit Ansagen im Sekundentakt gab es des Öfteren Verwirrung – und somit im Jahr 2013 einige Beinahe-Kollisionen. Faktoren wie die Wahl der passenden Lande- und Startbahn sowie fitte und aufmerksame Piloten sind entscheidend für die Sicherheit in der Luft. Dennoch: Die moderne Technik der Flugzeuge kann die Piloten bzw. die Besatzung durch Frühwarnsysteme an Bord immer besser vor ernsthaften Fehlentscheidungen schützen.

Internationale Unfallforscher fordern auch aufgrund dessen, eine bessere Vernetzung der einzelnen nationalen Behörden und eine Verschärfung der Regeln für sämtliche Fluggesellschaften aus einem bestimmten Wirtschaftssraum. Statistisch gesehen ist der Flug mit kleinen Regional- und Propellermaschinen – die auch auf kleinen Flugplätzen und unter kritischen Wettervoraussetzungen landen müssen – am riskantesten. Rund 48 Prozent aller Flugunfälle entfallen auf diese Kategorie. Etwa 63 Prozent aller Unfalltoten kamen auf Flügen ums Leben, deren Flugstrecke weniger als 800 km betrug.

Billigflieger sind dagegen sicherer, als viele Menschen annehmen: Ryanair, EasyJet und andere Lowcost-Airlines decken heutzutage rund 50 Prozent des kompletten Passagierverkehrs in Europa ab. In den 15 Jahren, in denen die Flieger bisher im Einsatz waren, hab es lediglich einen einzigen Zwischenfall – bei dem nicht einmal ein Mensch ums Leben kam. Die Folgerung „günstig = unsicher“ ist damit ein haltloses Märchen, dem man keinesfalls glauben schenken sollte.

Sichere und unsichere Airlines – womit kann man gefahrlos fliegen?

Die Statistiken der sichersten Fluglinien werden jährlich ausgewertet und aktualisiert. Im Jahr 2013 galt die finnische Airline Finnair, bei der es seit dem Jahr 1983 keinerlei gefährliche Zwischenfälle gab. Selbiges gilt auch für die Airlines Cathay Pacific, Air New Zealand, Emirates und Etihad Airways. Lediglich Letztere meldeten vor neun Jahren einen Flugzeugverlust, bei dem jedoch kein Passagier ums Leben kam.

Umgekehrt weisen China Airlines die schlechteste Statistik aller geprüften Airlines – insgesamt 60 Stück – auf. Seit dem Jahr 1983 wurden acht Flugzeuge als verloren gemeldet – es gab insgesamt 755 Tote. Das letzte Flugzeug stürzte vor fünf Jahren ab. Auch die TAM Airlines erhält nachfolgend mit sechs Abstürzen, knapp 340 Toten und dem letzten Flugzeugverlust vor fünf Jahren keine gute Platzierung. Korean Air und GOL Transportes Aéreos vervollständigen die Top Vier der unsichersten Fluglinien.

Bei den deutschen Fluglinien befindet sich die Lufthansa aktuell auf Platz 11: Seit 1983 verlor die Airline lediglich ein Flugzeug, in diesem Zeitraum starben zwei Menschen. Der letzte Absturz ereignete sich vor 19 Jahren. Auf Platz 23 liegt knapp dahinter die Air Berlin, bei der es weder Todesopfer noch Flugzeugverluste gab.

Somit lässt sich klar sagen: Fliegen ist insgesamt sehr sicher – insbesondere, wenn man das Fortbewegungsmittel mit dem Auto vergleicht. Allein in Deutschland sterben pro Jahr etwa zehn Mal so viele Menschen wie durch einen Flugsteugabsturz auf der ganzen Erde. Die deutschen Airlines befinden sich im Hinblick auf die Flugsicherheit alle im oberen Drittel der geprüften Fluggesellschaften.

Flugangst – wirklich ein Thema?

Experten besagen, dass sich die Flugangst in der Bevölkerung in den letzten 20 Jahren kaum verändert habe – sie sei höchstens etwas angestiegen. Vor allem Geschäftsreisende, die heutzutage vermehrt mit dem Flieger unterwegs sind, leiden nicht selten darunter. Als sehr anfällig gelten Personen, die privat oder beruflich sehr stark eingespannt seien. Flugangst beeinflusst allerdings auch die Wirtschaft negativ: Allein den US-amerikanischen Airlines gehen pro Jahr Tickets von rund 2,5 Mrd. Dollar verloren, welche aufgrund Flugangst nicht gekauft werden. Laut Experten sei die Flugangst trotz allem noch immer kein Thema bei den meisten Fluglinien, denn psychologische Kurse gehören nicht zur Ausbildung des Personals sondern sind lediglich als freiwilliger Zusatzkurs. Passagiere können dennoch auf Wunsch in speziellen Seminaren lernen, sich im Flugzeug entspannen, um ihre Flugangst überwinden zu können.
Rund 90 Prozent aller Teilnehmer eines solchen Seminars fliegen danach wieder angstfrei in die Ferien.

Fazit: Fürchten muss man sich heutzutage vor dem Fliegen nicht mehr – das Flugzeug gilt nicht nur als zeitsparendstes, sondern auch als sicherstes Verkehrsmittel überhaupt, vor allem im Vergleich zum Auto oder zum Reisebus. Angesichts sinkenden Unfallstatistiken und der immer weiter fortschreitenden Technik braucht man sich keine Sorgen mehr zu machen.

 

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