Wer eine Salzwiese als seine Heimat auserkoren hat, der braucht schon eine ziemlich robuste Überlebensstrategie, um auf Dauer mit unregelmäßiger Überflutung und einem extrem hohen Salzgehalt in Wasser und Boden klar zu kommen. Daher ist es auf den ersten Blick eher überraschend, welch artenreiche Vielfalt sich in den Salzwiesen Baltrums angesiedelt hat. Als Salzwiese bezeichnet man den Übergang zwischen Meer und Festland, der einen natürlichen Übergangsstreifen bildet. Im Gegensatz zum Watt, das durch die Gezeiten einem festen Ablauf zwischen Ebbe und Flut ausgesetzt ist, werden die Salzwiesen allerdings nicht in periodischen Abständen überflutet. Pflanzen, die sich auf dem Schwemmboden ansiedeln, sind mal dem Wasser, dann wieder einer Dürre ausgesetzt. Mangels Bäumen gibt es keinen Schutz gegen Sonne und brütende Hitze, und doch findet sich in den Salzwiesen blühendes Leben in unterschiedlichsten Farben und Formen.

Spannende Farbenspiele im Wechsel der Jahreszeiten

Eine Wanderung durch die Salzwiesen zeigt dem Besucher einige der ältesten Pflanzenarten der Erde und beweist, dass das Leben am Rande des Watts alles andere als eintönig ist. Ähnlich wie die Laubfärbung der Wälder ändert sich auch die Farbenpracht in den Salzwiesen im Laufe des Jahres und sorgt für ein ständig wechselndes Farbspektakel am Rande des Wattenmeeres. Gerade in häufig überspülten Bereichen blühen im Sommer Strandflieder und Strandastern, während zum Herbstanfang Rotschwingel die Salzwiesen in ein rötlich schimmerndes Farbenmeer verwandeln. Für leuchtendes Grün sorgt der Queller, auch „Meeresspargel“ genannt, der sogar ein edles, essbares Wildgemüse darstellt.

Die größte Lachmöwenkolonie Deutschlands

Zwischen April und Juli werden die Salzwiesen auf Baltrum, die hier auch als „Heller“ bezeichnet werden, zur größten Kinderstube der Insel. Seit über 20 Jahren haben Lachmöwen das Gebiet auf der Inselsüdseite zur größten Kolonie seiner Art in ganz Deutschland auserkoren. Dank einiger Aussichtsfernrohre lässt sich das Spektakel gut beobachten, wenn bis zu 18.000 Vögel hier ihre Jungen ausbrüten und aufziehen. Darüber hinaus haben auch andere Möwenarten, Austernfischer und weitere Vogelarten die Salzwiesen zur Aufzuchtstation ihres Nachwuchses ernannt.

Salzwiesen erleben

Auch wenn es möglich ist, die Salzwiesen auf eigene Faust zu besuchen, empfiehlt es sich, an einer der geführten Wanderungen in das Revier teilzunehmen. Die ortsansässigen Führer, die vom Nationalparkhaus aus zu Erkundungstouren einladen, kennen nicht nur die schönsten Plätze zur Tier- und Pflanzenbeobachtung, sondern vermitteln auch unschätzbare Informationen über die Entstehung, das Leben und die Risiken in der Salzwüste. Außerdem kennen sie die Plätze, die dem Besucher gute Beobachtungsmöglichkeiten einräumen, ohne die empfindliche Flora und Fauna zu schädigen. Äußerst interessant ist ein Rundgang auf dem Gezeitenpfad, der nicht durch die verschiedenen Lebensräume führt, sondern auch spannende Fakten und eine ordentliche Portion Seemansgarn über die Geschichte Baltrums vermittelt.