Ebbe und Flut, also Hoch- und Niedrigwasser oder Tiden, faszinierten die Menschen schon immer. Beeindruckende Mengen Wasser werden mühelos hin- und hergeschoben, ganze Meere verschwinden scheinbar stundenlang ins Nichts, um plötzlich wieder zurückzukommen. Die Unterschiede zwischen Niedrig- und Hochwasser sind sehr groß, an der Ostsee ca. 30 cm und an der Nordsee bis zu zwei Meter im Normalfall. An der kanadischen Ostküste beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut sogar über 20 Meter.

Meistens berechenbar, aber hin und wieder auch mit solcher Wucht kehrt die Flut zurück, dass der Mensch den Naturgewalten hilflos ausgeliefert ist. Im laufe der Jahrhunderte kam es immer wieder zu teilweise verheerenden Sturmfluten. An der Nordsee zuletzt im Februar 1962 mit 340 Toten.

Klar, dass der Mensch eine Erklärung für das Phänomen Ebbe und Flut haben wollte. Bereits im antiken Griechenland versuchten die klügsten Köpfe, Seleukos und Aristoteles beispielsweise, Ebbe und Flut zu verstehen. Tatsächlich brachten sie damals bereits Kräfte zwischen Erde und Mond in Verbindung. Weitere Theorien  wurden im Laufe der Jahrhunderte erarbeitet. Immer war das Spiel zwischen Sonne, Mond und Erde Thema. Im 17. Jahrhundert brachten die Wissenschaftler die Entstehung von Ebbe und Flut mit den Drehkräften der Erde zusammen. Wenn man in einer Schüssel mit Wasser einen Löffel schnell dreht, entstehen am Rand Wellenberge und in der Mitte ein Wellental. So erklärten Johannes Kepler und Galileo Galilei die Rotation der Erde als Grund für Ebbe und Flut. Umgekehrt waren die Tiden für sie der Beweis dafür, dass sich die Erde um sich selbst und um die Sonne dreht. Stimmte zwar der zweite Teil, lagen sie mit der Erklärung für Ebbe und Flut aber falsch. Einen eher philosophischen Ansatz verfolgte René Descartes mit seiner Theorie der Widerstände des Lichtäthers zwischen Mond und Erde. Isaac Newton schließlich brachte es als erster auf den Punkt und fand heraus, dass die Anziehungskräfte von Sonne, Mond und Erde im Wechselspiel für Ebbe und Flut verantwortlich sind.