Die unendliche Weite der Ozeane, raue Stürme und ein bärtiger Seemann, der Seemannsgarn spinnt…
Die alte Seefahrer-Romantik hat mit der Wirklichkeit ungefähr so viel zu tun wie ein kleiner Fisch mit einem Monsterhai!

Die Bedingungen an Bord und das Leben an Deck war nicht wie bei der heutigen Marine sondern körperlich hart und psychisch anstrengend! Rund 200 Mann pferchten sich auf einem 40 Meter langem Schiff zusammen, lebten unter schlimmen hygienischen Bedingungen und erhielten eine schlechte, karge Ernährung.

Die Stimmung an Bord war oft hochexplosiv und es war äußerst wichtig, einen Seemann mit ständiger Arbeit zu beschäftigen!
Ein Seemann in früheren Zeiten war oft leichtgläubig und naiv, ängstlich und abergläubig und suchte auf seiner monatelangen Reise auf den endlosen Meeren nach Zeichen, ob seine Reise unter einem guten Stern fuhr.

An endlos langen Schönwettertagen, wenn sie mit rund 15 Knoten ruhig und gleichmäßig dahin fuhren, stellten die Matrosen Schiemannsgarn her, das aus einem alten Schiffstau gewonnen wurde.
Das war eine langwierige, eintönige Arbeit, bei der sich die Seemänner Geschichten erzählten und mit ihren Erlebnissen prahlten.
Aus dem Wort Schiemannsgarn entwickelte sich der für uns geläufige Begriff Seemannsgarn, als Synonym für – durchaus interessante – Geschichten und Erzählungen, bei der man es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

Das Garn des Seemanns sind eigentlich ausgedachte Geschichten

Das Garn des Seemanns sind eigentlich ausgedachte Geschichten

In ihren Übertreibungen wurde aus einem gewöhnlichen Hai ein Monsterfisch, Luftspiegelungen im Nebel wurden zu Geistern und Gespenstern und die melodischen Töne der Wale, die bei ruhiger See in den Nächten durch die Bordwand drangen, wurden zu dem betörenden Gesang der Sirenen, die den Seemann in die Tiefe locken wollten.

Auf beinahe jedem Schiff lebte in der Fantasie und im festen Glauben der Seemänner ein unsichtbarer Klabautermann, ein guter Schiffsgeist, der nach dem Rechten sah.

Während die Matrosen Seemannsgarn spannen, entwickelte sich ein starker Wind in einen gefährlichen Sturm mit Monsterwellen und viele der alten Legenden erzählen der Begegnung mit Riesenkraken und haarigen Seeschlangen, die ganze Schiffe samt Mannschaft ins Verderben ziehen konnten.

Während ein Seemann Seemannsgarn spann, konnte er seine Angst in mutige Geschichten verpacken und seine Langeweile vertreiben, indem er harmlose Erlebnisse in haarsträubende Abenteuer verwandelte.
In seinen Erzählungen von Seeungeheuern, Geisterschiffen, Nixen und Wassermännern vermischten sich Wahrheit, Fantasie und Wunschdenken zu eindrucksvollen Berichten!

Dabei übten sie fleißig alle die verschiedenen Seemannsknoten.

Doch nicht nur ein alter Seebär kann Seemannsgarn spinnen!
Manchem Erlebnis wird auch von Landratten beim Erzählen im Nachhinein der Spannung wegen das ein oder andere hinzugedichtet!

Doch das Zuhören lohnt sich auf jeden Fall – nur glauben sollte man nicht immer alles!