Mit dem Starkbier-Anstich eröffnen viele Brauereien jedes Jahr zur Fastenzeit die Starkbierzeit. Dabei wird das Starkbierfest veranstaltet, in dessen Verlauf das braueigene Starkbier unter Musik und Rahmenprogramm ausgeschenkt wird.

Am bekanntesten sind der Starkbieranstich im Wirtshaus Paulaner am Nockherberg in München, der Starkbieranstich im Löwenbräukeller, in der Forschungsbrauerei und im Berliner Eschen-Bräu.

Das Starkbierfest

Der Beginn des Starkbierfestes fällt auf den Josefstag (19. März), dauert 17 Tage und wird zu Ehren des Heiligen Vaters Franz von Paola gefeiert, der den Paulaner-Orden gegründet hat. Das Starkbier wird auf dem Nockherberg nicht in Glaskrügen, sondern in tönernen Keferloher Maßkrügen ausgegeben. Dies hat den Vorteil, dass das Starkbier länger kühl bleibt und „zurückhaltendes“ Einschenken erleichtert wird.

Geschichte des Ausschanks von Starkbier

Schon in einer Ordensregel der Paulaner-Mönche, die im Kloster Neudeck ob der Au heimisch waren und spätestens im Jahre 1634 begannen, in der klostereigenen Brauerei Bier zu brauen, ist vom Starkbierausschank zur Fastenzeit die Rede.

Der Ausschank wurde praktiziert, weil die Nahrung der Mönche knapp und in der Fastenzeit noch knapper war, so dass das „flüssige Brot“ zusätzliche Kalorien bedeutete, ohne jedoch dabei das Fasten zu brechen.

Dabei hielt der Brauch Einzug, jährlich im Frühling in Anerkennen des Ordensgründers ein Bier auszuschenken, das besonders stark war, das „Sankt-Vater-Bier“ (später das „Salvator“), das die Mönche mehr und mehr auch außerhalb des Klosters verkauften, um die arme Bevölkerung zu ernähren und dem Kloster ein Einkommen zuzuführen.

Der öffentliche Ausschank von Starkbier

Die tönernen Keferloher Maßkrügen halten das Starkbier schön kühl.

Die tönernen Keferloher Maßkrügen halten das Starkbier schön kühl.

Zum ersten Mal wurde im 18. Jahrhundert der bayerische Kurfürst zum Ausschank des Starkbieres eingeladen, um ihm den ersten Krug zu überreichen. Am 31. März 1751 erlaubte Kurfürst Maximilian III. Joseph dann endgültig den öffentlichen Anstich des Starkbieres zum Festtag Franz von Paolas. Der ganzjährige Ausschank wurde durch Karl Theodor, den Kurfürsten von Bayern, am 26. Februar 1780 legitimiert.

Ablauf der Veranstaltung

Der Brauereichef eröffnet das Fest mit der Bierprobe. Den ersten Krug Starkbier bekommt seit 1965 der bayerische Ministerpräsident mit den Worten „Salve pater patriae! Bibas, princeps optime! (lat. „Sei gegrüßt, Vater des Vaterlands! Trinke, bester Fürst!“).

Traditionell veranstaltet wird auch das sogenannte „Derblecken„. Hierbei handelt es sich um ein politisches Kabarett mit Festrede und folgendem Singspiel, das aktuelle politische Themen behandelt.