Die Geschichte Kretas reicht weit in die Vergangenheit zurück. Die griechische Insel gilt nicht umsonst als Wiege der Zivilisation. Vor mehr als 4000 Jahren begründeten Einwanderer aus Ägypten, Kleinasien und Libyen dort die minoische Kultur.

Benannt nach dem sagenumwobenen König Minos erlangte diese Kultur zwischen 2600 und 1400 v. Chr. ihre Blütezeit. Die Minoer waren kultivierte, wohlhabende Menschen, wovon heute noch wertvolle Fresken, Bilder und Vasen Zeugnis ablegen. Die damaligen Bewohner Kretas machten sich als erfahrene Seefahrer und Händler einen Namen. Der florierende Handel erfasste die begehrten Exportgüter Wein, Oliven und Honig. Dafür wurden Kupfer, Zinn und Edelsteine eingeführt. Die frühe Geschichte Kretas blieb auch in Homers Odyssee nicht unerwähnt. Er berichtete von Knossos, der Stadt, wo König Minos geherrscht hat. Die minoische Kultur versank aus bislang ungeklärten Gründen. Der Palast von Knossos überlebte jedoch die Stürme der Geschichte. Er wurde um die Jahrhundertwende von dem Briten Sir Arthur Evans ausgegraben. Der in Teilen wieder aufgebaute antike Palast kann heute besichtigt werden.

Die Zeit der Dorier, Römer und Sarazenen

Venezianische Festungen gehören zur wechselseitigen Geschichte der Insel.

Venezianische Festungen gehören zur wechselseitigen Geschichte der Insel.

Nach dem Niedergang der minoischen Kultur prägten zunächst Eroberer aus dem Balkan, Dorier, die Geschichte der Insel. Aus dieser Epoche ist das auf Steintafeln eingravierte Stadtrecht aus Górtis erhalten geblieben. Um 67 v. Chr. eroberten die Römer Kreta und ernannten Górtis zur Hauptstadt. Die Überreste der Stadt liegen etwa 45 km von Iráklion entfernt. In dieser Epoche wurden Straßen, Tempel und Villen erbaut. Nachdem das Römische Reich zerfiel, wurde Kreta Teil von Byzanz. Die Geschichte der Insel wandelte sich erneut, als die Sarazenen im 9. Jahrhundert Kreta eroberten. Unter der arabischen Herrschaft entwickelte sich die Insel zu einem Piratenstützpunkt und Sklavenmarkt. Erst im Jahr 961 gelang es Byzanz, Kreta zu befreien.

Kreta unter der Herrschaft der Venezianer und Türken

Nachdem im Jahr 1204 der vierte Kreuzzug entschieden war, begann die Geschichte der 465 Jahre währenden Besetzung Kretas durch die Venezianer. Während dieser Zeit entstanden Hafenanlagen und gewaltige Festungen. Ein Beispiel dafür bietet die noch heute gut erhaltene Festung im Hafen von Iráklion. Dennoch gelang es den Türken, im Jahr 1645 Kreta zu erobern. In den folgenden 200 Jahren türkischer Herrschaft konnte sich die Insel nicht weiter entwickeln. Die neuere Geschichte Kretas setzte im 20. Jahrhundert ein, als die Türken besiegt wurden. Neben dem Aufbau der Infrastruktur standen nun auch archäologische Ausgrabungen im Mittelpunkt.
Heute zeugen antike Paläste, venezianische Festungen sowie islamische Moscheen von der wechselseitigen Geschichte der Insel.