Die Gezeiten, auch Tiden genannt, sind die periodischen Wasserbewegungen der Ozeane, die durch die Gravitations- und Fliehkräfte, die zwischen den Planeten existieren, entstehen.

Bei der Entstehung der Gezeiten spielt der Mond die größte Rolle. Durch die Anziehungskraft des Mondes wird das Wasser an der Erdseite, die dem Mond zugewandt ist, zum Mond hingezogen und es kommt durch die Gravitation zu einem Flutberg. Auf der anderen Seite der Erdkugel ensteht gleichzeitig ebenfalls ein Flutberg, allerdings durch die Fliehkraft. Durch die Wirkung dieser beiden Kräfte, und dadurch, dass die Erde sich dreht, kommt es zu den periodischen Wasserbewegungen, die wir als Ebbe und Flut wahrnehmen.

An der deutschen Nordseeküste dauert der Wechsel der Gezeiten etwas über zwölf Stunden. Innerhalb dieser zwölf Stunden erleben wir dort also einmal Ebbe, das heißt das Wasser zieht sich zurück, und einmal Flut, das heißt das Wasser kehrt zurück und steigt an.
Die Gezeiten bestimmen nicht nur den Tagesablauf tausender Nordseeurlauber, die bei Flut schwimmen und bei Ebbe wattwandern können, sondern prägen auch das Leben von Mensch und Tier.
So wird beispielsweise der Zeitplan der Fischer an der Nordsee von den Gezeiten bestimmt, da sie bei Ebbe nicht aufs Meer hinausfahren können.

Der Teil des Meeres, der bei Ebbe sichtbar wird, wird Watt genannt. Das Watt ist ein wichtiger Lebensraum für zahllose Tiere, die sich den Gezeiten perfekt angepasst haben. So nutzen viele Vögel das Watt als Nahrungsquelle, indem sie bei Ebbe die Würmer aus dem Boden aufnehmen. Bei Ebbe kann man Muscheln und Krebstiere beobachten, wie sie sich im Schlickboden vergraben, bis die Flut wieder zurückkehrt.

Auch auf den ostfriesischen Inseln, wie zum Beispiel Baltrum, sind die Auswirkungen der Gezeiten spürbar. Der ewige Rhythmus der Gezeiten macht sicher einen Teil der entspannenden Wirkung eines Nordseeurlaubs aus. Es ist ein wunderschönes Bild einen Sonnenuntergang über dem Watt zu beobachten, oder bei einem ausgedehnten Strandspaziergang dem Wasser zuzuschauen, wie es während der Flut zurückkehrt.
Es ist aber auch wichtig, die Kraft der Gezeiten nicht zu unterschätzen. Es kommt immer wieder zu Unglücken, weil Urlauber, die die Gezeiten und ihre zeitlichen Abläufe nicht gut einschätzen können, bei einer Wattwanderung zu weit hinauslaufen und von der Schnelligkeit des wiederkehrenden Wassers überrascht werden.
Mit einem geübten Wattführer, wie man sie überall an der Küste findet, kann man die Wirkung der Gezeiten aber aus nächster Nähe betrachten und genießen.