Die zwischen den westlichen Ausläufern der Karpaten und der Donauebene gelegene Hauptstadt der Slowakei blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Der Ursprung Bratislavas reicht auf eine im 9. Jahrhundert erbaute slawische Siedlung zurück, aus der sich im Mittelalter unter ungarischer Herrschaft eine bedeutende Handelsstadt entwickelte. Vom 16. bis hinein ins 19. Jahrhundert blieb Bratislava die Haupt- und Krönungsstadt Ungarns. Von dieser Zeit zeugt noch heute eine auf einem steinernen Kissen liegende ungarische Königskrone auf der Turmspitze des gotischen Martinsdoms. In all diesen Jahrhunderten lebten hier viele Deutsche, die die Stadt als Preßburg bezeichneten. Den Namen Bratislava erhielt die heutige slowakische Hauptstadt erst nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1919.

Bratislava – eine oft zu Unrecht unterschätzte Stadt

Die im Dreiländereck mit Österreich und Ungarn befindliche Stadt wird als lohnendes Urlaubsziel oft ein wenig unterschätzt. Vielleicht erscheint sie auf den ersten Blick mit ihrem Ring aus Plattenbauten ein wenig grau und einfallslos, gilt eher als Ort für einen kurzen Zwischenstopp bei Flusskreuzfahrten auf der Donau oder hat in den Jahren ihrer sozialistischen Vergangenheit zu wenig auf ihren guten Ruf geachtet. Fakt ist jedoch, dass das in fünf Stadtbezirke gegliederte Bratislava, in dem knapp 420.000 Einwohner leben, eine Vielzahl an historischen aber auch modernen Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Daneben besitzt Bratislava ein reges Nachtleben, vorzügliche Einkaufsmöglichkeiten und nicht zuletzt die Gelegenheit, von hier aus zu Tagesausflügen in das nur etwa 50 Kilometer entfernte Wien oder in das beliebte Wandergebiet der Kleinen Karpaten aufzubrechen. So lässt sich die Aufenthaltsdauer in der Stadt ganz den individuellen Ansprüchen anpassen. Allerdings werden ein oder zwei Tage auf keinen Fall reichen, um die Stadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten und Reizen wirklich kennenzulernen.

Erlebnis historische Altstadt

Die Altstadt von Bratislava zeigt sich mit einer Vielzahl an historischen Gebäuden als das Spiegelbild ihrer von ungarischer und österreichischer Fremdherrschaft geprägten Geschichte. Deren längsten Zeitabschnitt durfte das am Hauptplatz zu betrachtende Alte Rathaus miterleben, dessen mit einem quadratischen Turm gekröntes gotisches Haus bereits vor 1370 entstand. Heute beherbergt das um mehrere Gebäude erweiterte Bauwerk das Stadtmuseum. Zu den Kennzeichen der Altstadt zählen ihre zahlreichen barocken Palais, zu denen das Primatialpalais, das in seinen Räumen verschiedene historische Ereignisse erleben konnte und das Präsidentenpalais.
Letztes markantes Relikt der einstigen Stadtbefestigung ist das wahrscheinlich bereits in 13. Jahrhundert erbaute Michaelertor. In seinem 51 Meter hohen Turm kann heute ein Waffenmuseum besucht werden. Von einer Aussichtsplattform aus ergibt sich ein beeindruckender Rundblick über die Stadt. Als bedeutendstes sakrales Bauwerk gilt der im 14. und 15. Jahrhundert erbaute St. Martins Dom. Die mit mehreren Kapellen ausgestattete dreischiffige Kirche war die Krönungskirche der ungarischen Könige.

Die Burg Bratislava

Die auch als Bratislavský hrad bezeichnete Burg erhebt sich etwas außerhalb der Altstadt auf einem Felsen am linken Ufer der Donau. Mit ihrem weißen Erscheinungsbild und den von roten Spitzen bekrönten vier Ecktürmen gilt sie als das Wahrzeichen von Bratislava. Ihre ursprüngliche Form erhielt sie im 15. Jahrhundert. Sie diente den österreichischen und ungarischen Herrschern über die Stadt als Wohnsitz und wurde bei einem Brand im Jahr 1811 nahezu vollständig zerstört. Rund 150 Jahre später wurde sie erneut aufgebaut. Heute beherbergt sie verschiedene Sammlungen des Slowakischen Nationalmuseums.
Unweit der Burg führt die, den Slowakischen Nationalaufstand würdigende, Neue Brücke über die Donau in den Stadtbezirk Petržalka. Ihre Fahrbahn ist nur an einem einzigen Brückenpfeiler aufgehängt, der in mehr als 80 Meter Höhe über ein Restaurant und eine Aussichtsplattform verfügt.

Abseits der Touristenpfade

 

  • Die Blaue Kirche
    Seinen Aufenthalt in Bratislava sollte man jedoch auch dazu nutzen, um einige Sehenswürdigkeiten zu besuchen, die in den Reiseführern nicht auf den ersten Seiten stehen. So verbirgt sich in einem Wohnviertel östlich der Altstadt die 1913 geweihte Blaue Kirche. Neben ihrer hellblauen Fassade ist auch ihr Innenraum in Blautönen gestaltet. Sie ist der Heiligen Elisabeth von Thüringen gewidmet, an die ein Mosaik über ihrem Eingang erinnert.

 

  • Burg Devin
    Etwa 10 Kilometer nordwestlich der Innenstadt befindet sich die per Bus oder Schiff erreichbare Ruine der Burg Devin. Unmittelbar an der Grenze zu Österreich am Ufer der Donau gelegen, bietet sich von ihr aus ein lohnenswerter Ausblick über die Landschaft zweier Staaten. Nur wenige Hundert Meter entfernt kann der Kalkberg Devínska Kobyla erklommen werden. Er bildet einen Teil der, die Morava säumenden, Thebener Pforte und bietet ebenfalls einen weiten Ausblick in die zwei Nachbarländer.

 

  • Parks und Grünflächen
    Durch die Nähe zu den Kleinen Karpaten und zur Auenlandschaft der Donau zeichnet sich das Stadtgebiet von Bratislava durch zahlreiche Parks sowie Grün- und Waldflächen aus. Neben dem in der Altstadt gelegenen Gebirgspark bietet sich mit dem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegten Janko-Kráľ-Park im Bezirk Petržalka einer der ältesten Stadtparks Europas für erholsame Spaziergänge an.

Kultur und Nachtleben

Bratislava gilt als eines der kulturellen Zentren der Slowakei. Neben ihrer bereits betrachteten architektonischen Kulturgeschichte haben hier zahlreiche kulturelle Einrichtungen ihre Wirkungsstätte gefunden:

  • die Slowakische Nationalgalerie
  • das Nationaltheater und die Philharmonie des Landes
  • das Slowakische Nationaltheater
  • mehr als ein Dutzend Museen

Auffällig und sicher für den einen oder anderen von Interesse ist die Tatsache, dass sich unter den in Bratislava zu findenden Museen einige befinden, die sich der Geschichte und Kultur der in der Slowakei anzutreffenden Volksgruppen widmen. Neben den Karpatendeutschen gilt dies für die hier lebenden Ungarn und die Mitglieder der jüdische Bevölkerungsgruppe.

Was das Essen anbetrifft, kann sich die Slowakei und mit ihr auch seine Hauptstadt nicht mit einer Gourmetküche rühmen. Viel mehr dominieren deftige, relativ einfach zubereitete Speisen. Als Vorspeiesen werden oft mit Frischkäse gefüllte Schimkenrollen oder Kraut- und Knoblauchsuppen angeboten. Als Nationalgricht gelten die Kartoffelnocken und Rupfennudeln, die mit gegrilltem Fleisch, Kraut oder Speck auf den Teller kommen. Als Palatschinken bezeichnete süßen Pfannkuchen bilden oft den Nachtisch. Für den kleinen Hunger zwischendurch werden an kleinen Kiosken oder an Buffets vor allem Richmanns angeboten, bei ihnen handelt es sich um eine Bratislaver Spezialität, die ein mit Schinken, Käse, Kraut und Mayonnaise belegtes Brötchen darstellt. Außerdem zählen zum lokalen Fastfood noch Langosch, Baguette mit unterschiedlichen Füllungen und die den Palatschinken ähnelnden Lokscha.

Typisch für das in der Stadt anzutreffende vielgestaltige Nachtleben sind die für mittel- und westeuropäische Verhältnisse niedrigen Eintritts- und Getränkepreise. Diese erklären zum Teil wohl auch die zahlreichen anzutreffenden Discos, Klubs, Bars, Restaurants und Kneipen. Besonders beliebt ist der Subclub in einem unterhalb der Burg befindlichen ehemaligen Bunker. DJs aus ganz Europa und den USA sind dagegen im UNIQUE CLUB zu erleben. Trotz eines gewissen Kleidungszwangs erfreut sich auch das Regency Casino eines großen Zuspruchs.

Ausflüge in die Umgebung der Stadt

Da die Aufenthaltsdauer in Bratislava nach Möglichkeit immer einige Tage betragen sollte, wäre in diesen Fällen auch an einen Ausflug in das Umland der Stadt zu denken. Mit einem Fahrgastschiff wäre die mitten in der Donau befindliche Kunstgalerie „Danubiana“ ebenso erreichbar wie der Staudamm bei Gabcikovo. Bei einer Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitskatamaran kann sogar eine Stippvisite in Österreichs Metropole Wien erfolgen.
Etwa 25 Kilometer nordöstlich Bratislavas befindet sich in Senec ein zu Sport, Spaß und Erholung einladender attraktiver Aquaqpark. Nicht weiter entfernt liegt in der Landschaft der Kleinen Karpaten mit Pezinok eine der früheren freien Königsstädte, in der vor allem Liebhaber guter Weine fündig werden sollten.