Seit einiger Zeit macht auch hierzulande ein neuartiges, in den USA jedoch schon seit gut 10 Jahren relativ weit verbreitetes Tourismuskonzept mit dem Namen „Blind Booking“ („Blinde Buchung“) von sich reden. Vereinfacht ausgedrückt geht es dabei um die Vermarktung von Restposten und Überkapazitäten sowohl bei Flügen als auch Hotelzimmern, welche die Anbieter nicht oder nicht rechtzeitig zum Normalpreis absetzen können und die deshalb stark verbilligt angeboten werden.

 

Eine neue Vermarktungsidee zu beiderlei Nutzen von Anbietern und Urlaubern

Während sich der anonyme Verkauf von Flügen zu nur ansatzweise im Vorfeld definierten Zielen mittlerweile auch bereits in Deutschland nachhaltig und erfolgreich etabliert hat, haben inzwischen auch viele Hotels die vielversprechende Geschäftsidee für sich entdeckt. Die Gemeinsamkeit des „Blind Booking“ bei Flügen und Hotels besteht dabei primär in den für die Kunden sehr günstigen Preisen, deutliche Unterschiede gibt es allerdings bezüglich der vorab zugänglich gemachten Informationen bezüglich des Reiseziels. Während also bei einem blind gebuchten Flug mitunter nur die Art des Urlaubs eingeschränkt werden kann (zum Beispiel Bade- oder Bergurlaub) und auch die Unterkunft in der Regel zusätzlich gebucht werden muss, erfolgt die blinde Buchung von Hotelzimmern mit vorher festgelegtem Reiseziel, die genaue Adresse der Unterkunft erhält der Kunde jedoch erst nach Abschluss des Vertrages. Grundsätzlich empfiehlt sich diese Buchungsmethode dabei besonders für Menschen mit nicht ganz so üppig gefüllter Reisekasse, die zeitlich ein wenig flexibel und offen für angenehme Überraschungen sind.

Blind Booking als sportlicher Wettbewerb und Reisebörse für Anbieter und Kunden

Aus Kosten- und Sicherheitsgründen und um den Kunden möglichst immer eine große Auswahl zu bieten, kaufen Anbieter häufig größere Kapazitäten für Transport, Unterkunft und Verpflegung ein, als sie letztlich benötigen. Die Minimierung der Verluste erfolgt dann über deutliche Rabatte auf den Normalpreis etwa für Flüge und Hotelzimmer, womit auch weniger stark nachgefragte Ziele attraktiver gemacht werden sollen. Schon länger bekannt in diesem Zusammenhang ist das, heute jedoch nicht mehr zwangsläufig günstigere, Last-Minute-Prinzip als Förderung kurz entschlossener Kaufentscheidungen. Neueren Datums ist das sog. „Blind Booking“, in dessen Rahmen Kunden anonym Flüge und/oder Hotelzimmer erwerben können. Die Anbieter und Veranstalter hoffen also auf eine möglichst hohe Auslastung und versuchen diese durch große Preisnachlässe zu erreichen. Die Ungewissheit und der mögliche Unwille des Kunden, ein ihm vorher völlig unbekanntes Reiseziel anzusteuern, soll durch einschränkende Kategorisierungen vermindert werden, anhand derer er zumindest mit Ausschlusskriterien bestimmen kann, wohin es ungefähr (nicht) gehen wird. Im Internet existieren bereits diverse Foren für „Blindflieger“, in welchen diese sich mit geradezu sportlichem Ehrgeiz gegenseitig beratschlagen, wie und inwiefern man ein Reiseziel trotz der „Geheimniskrämerei“ der Anbieter möglichst sicher festlegen kann.

Persönliche Wünsche können eingebracht werden, kosten aber meist extra

Natürlich unterscheiden sich die unterschiedlichen Varianten des in Deutschland ungefähr seit dem Jahr 2001 angebotenen „Blind Booking“ hinsichtlich ihres Risikos und „Roulettefaktors“ für die Kunden recht eindeutig bzw. erheblich voneinander. Bei der blinden Buchung lediglich eines Fluges etwa kennt der Urlauber in der Regel nur den Abflugort bzw. den entsprechenden Flughafen sowie das An- und Abreisedatum und damit auch die Aufenthaltsdauer. Um seine Unterkunft kann er sich dann erst kümmern, wenn er nach Vertragsabschluss dann das tatsächliche Reiseziel mitgeteilt bekommt. Um einen totalen „Blindflug“ in individuell grundsätzlich unerwünschte Regionen zu vermeiden, bündeln die großen Anbieter, zu denen unter anderem auch surprice-hotels.com gehört, die Reiseziele jedoch in thematische Komplexe, die eine bessere Übersicht und Planung ermöglichen. Die gängigen Etiketten beziehen sich hierbei meist auf die geografischen Gegebenheiten wie beispielsweise Urlaub am Meer oder Urlaub in den Bergen, auch Einschränkungen wie Städte-, Shopping- oder Kulturreisen werden oft vorgenommen, um den Kunden die Wahl zu erleichtern und schmackhaft zu machen. Erfahrene „Blindflug-Profis“ kennen sich oft auch sehr gut mit den saisonalen Flugplänen der jeweiligen Airlines und Airports aus und können sich anhand dessen manchmal schon ganz gut ausmalen, in welche Weltgegend sie das einmal bestiegene Flugzeug schlussendlich bringen wird.

Auf das „Kleingedruckte“ und genaue Zeiten achten: Oftmals versteckte Kosten

Derartige „Glücks-“ bzw. „Überraschungsflüge“ können vom Kunden hinsichtlich der möglichen Ziele zumeist dahin gehend ausgewählt werden, ob sie als Kurz- oder Langstreckenflüge klassifiziert sind. Auf diese Weise kann er zumindest eingrenzen, ob es sich um einen mehrstündigen Interkontinentalflug oder lediglich eine kürzere Strecke ins benachbarte oder nicht allzu weit entfernte europäische Ausland handelt. Bei manchen Angeboten können gegen geringe Aufpreise auch ein oder mehrere genau definierte Reiseziele von vornherein ausgeschlossen werden. Zusatzkosten entstehen auch meist dann, wenn neben dem im Kaufpreis inbegriffenen Handgepäck weitere Taschen oder Koffer mit auf die Spontanreise gehen sollen. Nicht unterschätzen sollten Kunden von „Blindflügen“ auch die speziell bei kurzen Aufenthalten manchmal zu sehr ungünstigen Tageszeiten gelegenen Abflug- und Ankunftszeiten. Gerade bei äußerst preiswerten Angeboten beträgt die Verweildauer am Reiseziel gelegentlich nicht einmal 24 Stunden. Als manchmal ebenso problematisch kann sich die nachträgliche Buchung einer passenden und bezahlbaren Unterkunft am Reiseziel erweisen, dies vor allem in der sommerlichen Hauptsaison und/oder in beliebten Urlaubsorten.

Die blinde Buchung von Hotels ist weniger riskant als diejenige von Flügen

Von weit weniger Unsicherheit und Unbestimmbarkeit ist hingegen im Allgemeinen das „Blind Booking“ bei Hotelzimmern geprägt. Im Gegensatz zur blinden Flugbuchung wählt der Kunde das genaue Reiseziel vorher aus und wird dann in der Folge über die meisten Details der Unterbringung wie etwa die lokale oder regionale Lage, Ausstattung, Einrichtung und Anzahl der Sterne sowie Anbindung der infrage kommenden Hotels, nicht jedoch über deren Namen vorab informiert. Aus einer Liste von jeweils zur Verfügung stehenden Hotels der Gegend wählt man dann jenes aus, welches den eigenen Ansprüchen und Wünschen am meisten entspricht, die genaue Adresse erhält der Kunde dann nach Abschluss der verbindlichen Buchung. Da es besonders für teurere Hotels oftmals betriebswirtschaftlich sinnvoller ist, ihre Zimmer eher für einen geringeren Preis zu vermieten, als diese gänzlich und/oder über längere Perioden leer stehen zu lassen, lassen sich bei manchen Häusern durchaus recht beeindruckende Nachlässe zwischen 30 und 60 Prozent vom Normalpreis erzielen. Diese Flexibilität bei den Preisen findet jedoch keinerlei Entsprechung bei einem u.U. gewünschten oder notwendig werdenden vollständigen Reiserücktritt. Stornierungen sind beim „Blind Booking“ weder bei Flügen noch bei Hotels möglich, sodass einmal gezahlte Kosten im Zweifelsfall auch nicht anteilig zurück erstattet werden, sondern gänzlich verfallen.

Stornierung ist ausgeschlossen, dafür wird mitunter „Bestpreisgarantie“ angeboten

Anders als bei einer blinden Flugbuchung kauft man also bei derjenigen eines Hotelzimmer nicht unbedingt „die Katze im Sack“, vielmehr wird einem bereits im Vorfeld ein recht faires Maß an detaillierten Informationen gewährt, um die Entscheidung für eine bestimmte Unterkunft zu erleichtern. Auch anhand von mehr oder weniger zahlreichen schriftlichen Kundenbewertungen über die potenziellen Hotels können sich interessierte Urlauber ein teilweise recht vollständiges Bild von der Art und Weise der Logis machen. Manche Anbieter gewähren Kunden, die über „Blind Booking“ ein Zimmer bei ihnen gebucht haben, sogar die Erstattung der Preisdifferenz, sollte das Zimmer innerhalb von 48 Stunden nach Buchungsabschluss über einen anderen Anbieter noch günstiger zu beziehen sein. Andere Anbieter wiederum klären über Name und Adresse des zu beziehenden Hotels tatsächlich erst nach der Ankunft am Reiseziel auf, dies vor allem in Urlaubsgegenden mit einer sehr großen Auswahl an Unterkünften wie beispielsweise an der spanischen Mittelmeerküste oder der türkischen Riviera. Vorteile bietet „Blind Booking“ von Hotelzimmern vor allem für flexible und spontan Reisende mit einer eher überschaubarem Budget. Nachteile in Kauf nehmen müssen hingegen Urlauber mit genaueren Wünschen und Vorstellungen über die von ihnen persönlich favorisierte Ausstattung einer Unterkunft.

 

Bildquelle: Bigstock-ID: 66417184 by Mike_Kiev